| Ein Kölner
Groß-Fanzine, das unter aufgeweckten Oberschülern zirkuliert,
wählte das Tanzhaus gar zum besten Club des Westens. In der Garderobe
haben sie echte Bügel, und 15 Sorten schwer angesagtes Trendbier
sind in den mutmaßlich optimal temperierten Kühlkellern
der Bar zwischengelagert. Auf der Getränkekarte findet sich zwischen
"Whisky Sour" und "Gin Fizz", ein roter Fleck.
Straft man etwa die falsche Getränkewahl in diesem Hort der Schönen
und Jungen mit einem Nasenstüber ab?
Auge in Auge mit der Avantgarde scheint jedenfalls eine verwegene
Entscheidung angeraten. Da weiß man, was man hat. Und die
anderen wissen, daß man gut drauf ist. In klassischem Schwarz
nähert sich die Barfrau, mit Kajal sind ihre Augen zu kleinen
Schlitzen geschminkt. "Und du, was möchtest du denn trinken",
begehrt sie ultimativ zu wissen. "Den pangalaktischen Donnergurgler
bitte, was sonst." Wäre doch gelacht!
Andererseits, man kennt dieses Getränk aus der Fachliteratur.
Den haarsträubenden Erlebnisberichten eines intergalaktischen
Reisenden zufolge gilt das Multialkoholikum "pangalaktischer
Donnergurgler" zwar als Indikator für ein hohes Entwicklungsniveau
einer beliebigen Zivilisation. Aber irritierenderweise vergleicht
der Buchautor dessen Wirkung mit "einem in ein Handtuch eingewickelten
Ziegelstein, der dir auf den Kopf gehauen wird". Und in nur
mit einer Lupe zu entziffernden Lettern warnt selbst die Getränkekarte
der irdischen Hipsterlokalität den vorwitzigen Dürstenden:
"Ein Drink wie ein Raubüberfall - teuer und schlecht für
den Kopf."
Hinter dem Tresen schwingt jetzt der Chef des Hauses, der eine
verblüffende Ähnlichkeit mit Charles Manson hat, eifrig
die Flaschen. In einen ausgesucht häßlichen Glasbecher
schüttet er deziliterweise hochwertige Spirituosen wie Bourbon,
braunen Tequila, Rum, Chartreuse, Sambucca, alten Yanx- Geist, Tabasco
und Zitronensaft. Um von der brisanten Mischung abzulenken, werden
raffiniert geschnitzelte Sternfrüchte, Kiwis und Cocktailkirschen
flink um das Glas drapiert. Das vorsichtig ins Glas geworfene brennende
Streichholz bewirkt eine meterhohe Stichflamme.
Unauffällig setzt sich ein Löschzug der freiwilligen
Feuerwehr an den Nebentisch, im Hintergrund schneidet ein Spanner
mit einem Camcorder alles mit. "Und jetzt trink das alles aus",
befiehlt die Kellnerin, herzlos wie eine Pelztierzüchterin,
während sie das Gurglerglas auf den Tisch knallt. Einige Cocktailspritzer
ätzen sich durch die Tischplatte. Von wegen Techno, die Barfrau
trägt die Asbesthandschuhe zur Unfallverhütung. Ein Häuflein
Mensch, ein hirntoter Zombie vielleicht, schält sich aus dem
Müllsack, der den Verschnitt der exotischen Früchte verbirgt.
Der Untote wankt näher, sabbernd nuschelt er: "Bis jetzt
habe nur ich diesen Drink überlebt." Aber durch den Strohhalm
gemümmelt, erweist sich das Gurglerzeug als durchaus wohlschmeckend.
Auch die Wahrnehmung wird überhaupt nicht beeinträchtigt.
Doch findet man sich mysteriöserweise später in der Bochumer
Bahnhofskneipe wieder. Also in einem Leichensack.
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