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Wer zur Hölle ist Thomas Meiser?

 

 

 

 

Schnitzel - so groß wie Lokusdeckel

   
Auf dem Prickingshof im münsterländischen Haltern demonstriert Bauer Ewald Döpper volbildlich bäuerliches Brauchtum
Ein Bauer als Prophet
 
Walkie Talkies krakeelen. Ehrfürchtig finden sich die Festgäste Sonntagskleidung hinter den Absperrungen ein. Müde windet sich ein Hubschrauber zur Landung herab. Eine riesige Staubwolke bedeckt die Gemeinde auf dem kahlgeschorenen Acker. Plötzlich ist der grüne Teppich voller Mist. Dem Helikopter entsteigt Larry Hagman ("Great thing here"), er trägt den breitkrempigsten Stetson von allen. Und heute tragen viele Stetson auf dem Prickingshof im münsterländischen Haltern. Hier kann Eindruck genommen werden, in das was die Erde im Innersten zusammenschweißt: Die Dummen bescheißen die Grenzdebilen.

Ewald Döpper, der Halterner Agronom, entwickelte diese antropologische Konstante zur Perfektion. Jetzt feiert der erfrischend unintellektuelle Landmann mit einem rauschenden Reigen seinen 65. Geburtstag. In den letzten vier Dekaden seines Schaffens scheffelte der als ‚Bauer Ewald' firmierende Holzschuhträger Millionen durch die rigorose Ausbeutung von unbedarften Kaffeefahrt-Teilnehmern. Um die 1500 arme Menschen quetscht er täglich aus. Bauer Ewalds Masche: In Bussen lockt er erloschene Rentner und naive Schulklassen auf seinen "durch Presse, Funk und fernsehen weltbekannten bäuerlichen Familienbetrieb" Prickingshof.

Das obskure Anwesen umfaßt "die erste und größte bäuerliche TierschauEuropas mit dem großen Dampf-, Dreschmaschinen- und Traktorenmuseum und Geräten bäuerlichen Brauchtums sowie große Champignonzucht und Biogasanlage", wenn man den dort aufgestellten Schrifttafeln glauben will. Tatsächlich ist die "Tierschau", die die armen Rentner für ein unverschämtes Eintrittsgeld begehen dürfen, nur ein schmierig verglaster Stall, der nach Scheiße stinkt. Schweinescheiße: Jenseits der verdreckten Fenster liegen in stählern eingefaßten Koben Mutterschweine, eines rührt sich nicht mehr. Winzige Ferkel, ihre Rücken von Schmeißfliegen bedeckt, reiben einander verzweifelt quiekend die Flangen. Die "Champigonzucht" ist ein Dutzend Plastikkisten voll feuchten Mutterbodens, in die ein Knecht brackiges Wasser abfüllt.

Auf jeden nicht kotbeschmierten Winkel des Stalls im dreist benannten "EWG-Musterhof" schmierte der geschäftstüchtige Landwirt in altdeutscher Schrift billige Reime: "Das größte Wunderwerk der Welt/ hat Bauer Ewald hier erstellt / Ein Bauer muß zum Bauern geboren sein, er kann nie dazu gemacht werden." Will man sich angesichts dieses Gewürges erleichtern, hat man erst recht keine Chance. "Jedermann muß Plumpsklos benutzen / denn Besucher und Kunden / auch sollen wissen / so wurde seit Menschengedenken auf unserem Bauernhof geschissen."

Selbst die in der "bäuerlichen Speisewirtschaft feilgebotenen Speisen stehen in enger Beziehung zu Fäkalien. "O Prickingshof, o Prickingshof, wie groß sind deine Schnitzel / die ißt so schnell noch keiner weg /&die sind so groß wie'n Lokusdeck." Bei seiner abschreckenden Bauernummer schreckt Landmann Ewald nicht einmal vor Sex mit Tieren zurück: "Der schwerste Kaltblutzuchthengst Europas, Adonis von Blayenthal, deckt eine jungfräuliche Stute vor ihren Augen. Weiterhin sehen Sie die Befruchtung von verschiedenen Tieren. Einwurf 1 Mark".

Insgesamt stehen in der Pferde-Peepshow sieben Videokabinen bereit. Der Berfruchtungsstreifen soll nach Bauer Ewalds bigotten Bekunden dazu dienen, neugierigen Jugendlichen die Zeugung in der Natur nahezubringen. Gelegentlich seines Geburtstages ("Seit heut' krieg' ich auch noch 1466 Mark Rente. Har, har") kaufte sich der münsterländische Stetsonträger den US- Mimen Larry Hagman. Folgerichtig spricht das Presse- Info von einer "deutsch-amerikanischen Beziehung auf höchster Ebene". Den Dallas-Fiesling lies Döpper eigens auf der Sause im Bierzelt Faxen machen.

"Wir wollen heute auch unsere Sorgen zu Hause lassen", außerte sich der nunmehr berentete Bauer sichtlich bewegt, "denn in diesem Zelt passen die nicht mehr rein".

 
   


   
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