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Wer zur Hölle ist Thomas Meiser?

 

 

 

 

Im Kosmos der Kammerjäger

   
Thomas Meiser hat sich bei der 'Eurocido' der internationalen Fachmesse für Schädlingsbekämpfung, eingezeckt.
 
Willkommen bei den Profis von der "Pest Control"! Sie sind schon alle da.: Hygieneschädlinge. Lästlinge . Materialschädlinge. Auf großen Tafeln werden sie ins Bild gesetzt, vieltausendfach beschwören Prospekte ihre Eigenarten. "Schon ein einzelnes zirpendes Heimchen kann zu einer erheblichen Ruhestörung führen und damit das menschliche Wohlverhalten beeinträchtigen", befürchtet der "Geschäftsbereich Tiergesundheit" von Bayer.

"Schädlinge im unmittelbaren Lebensbereich peinigen die Menschheit seit Jahrhunderten mit schweren Krankheiten", weiß der "Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband". Selbst die gemeine Hausfliege belästige Menschen und Haustiere in unerträglicher Weise. Und die Wald- und Wiesenmücke überträgt sogar das Gelbfieber. Menschenfloh-Stiche dagegen führen nur zu Quaddeln und Papeln. Tagelang hält der Juckreiz an. Gegen das auf der "Eurocido" beschworene Bedrohungszenario sind die apokalyptischen Reiter ein Fliegenschiß. Das Ungeziefer schert sich sogar einen Dreck um abgedroschenste Klischees: Dreist kriecht es aus allen Löchern.

Hans-Günter Thelen kann ein Lied davon singen. "Unsere Gesellschaft wird immer intensiver von Schädlingen belastet", muß der Agraringenieur feststellen, "wer aus dem Auslandsurlaub kommt, dem springen die doch zu Hause aus dem Koffer". Neben der intensiven Reiselust ist für den Kammerjäger-Ausbilder "die Nahrungstouristik" Grund für den Generalangriff der Asselbande. "Wo kriegen die Pizzerien ihre Schaben denn her?" fragt er zornig. "Die werden doch gleich mit den Artischocken mitgeliefert. Auf dem Messestand der Krefelder Berufsakademie sind die Insekten gefahrenfrei, weil hinter Glas und tot, in kleinen Kästen ausgestellt. Eine Fotoserie zeigt angehende Kammerjäger bei der Artenbestimmung mit dem Mikroskop.

Im Goldsaal der Westfalenhalle referiert der Kieler Amtsarzt Stoll vor rund 500 Kammerjägern. "Pocken, Tbc, Kuhfieber und Pilzkrankheiten" bringen verwilderte Haustauben den Menschen. Außerdem scheißt eine jede Luftratte bis zu fünf Pfunde im Jahr. "Das kann die Sicherheit auf Gehwegen erheblich beeinträchtigen", weiß der Akademiker. Was also st zu tun? Einzig "lebendfangende Schlagfallen" hält der Profi aus Tierschutzgründen für geboten. "Denn die Columba livia domestica ist zwar vogelfrei, doch rechtlos ist sie nicht". Fazit des Weißkittels: "Nur ein Tierarzt, der eng mit dem Tierschutzverein zusammenarbeitet, darf den Tötungsakt vornehmen". Ein paar Meter weiter klärt man bei der Schweizer Firma Sanosil Ratsuchende freundlich über hausfraulicher Ungeziefermythen auf. Es ist nämlich nur ein Aberglaube, daß Silberfische sich an Zucker totfressen. "Damit werden die Tiere höchstens aus dem Abfluß angelockt."

Und daß Hausstaubmilben mit Staubsauger und Teppichshampoo zu zu vernichten seien, ist ein weiteres Ammenmärchen. "da hilft nur die chemische Keule". Aber als Dilemma gilt, daß wer gegen die Milbenkotmasse allergisch ist, sich auch aufgrund des Anti-Milbenmittels unwohl fühlt. Jenseits von Gifteinsatz durch versprühte Aerosole wird immerhin die klassische Fallenstellerei betrieben. "Detektiv MT simuliert mit einem Sexualduftstoff paarungsbereite Mottenweibchen. Die sofort anfliegenden Männchen gehen auf den Leim. Wörtlich." Und bei starkem Mäusebefall ist die Schlagfalle von Nutzen", erläutert Thomas Voigt, Geschäftsführer des deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes, in zwei Nächten kann man den Bestand um die Hälfte reduzieren".

Leider fallen Ratten auf den Genickbruch-Mechanismus nicht herein. "Außerdem macht die Ratte schon mit drei Monaten Sex, und drei Wochen später sind Junge da", weiß man bei der Firma Frowein. Um das Lotterleben zu beenden, bietet die Vertilgergilde den intelligenten Rudeltieren Fraßköder mit integrierten Blutgerinnungsbeschleunigern an. Etwa das "neue Sugan, besonders im feuchten Mileu ist es für lange Zeit attraktiv und wirksam". Langsam krepiert die dann Ratte durch inneres Verbluten. Neben dieser elaborierten Technik gibt es auch sowas wie den sanften Tod, handzuhaben für jedermann: Eckhard Feldners biologische Fliegenfalle ist in erster Linie für den Hausgebrauch gedacht.

Sie funktioniert nach dem Reusenprinzip: Von einem Duftstoff-Beutel angelockt, verfangen sich die Fliegen ausweglos. "Das Ding fängt bis zu 100 Fliegen pro Minuten, und das vier Wochen lang", sagt stolz der Geschäftsführer, danach die vier Liter Fliegenmatsche einfach auf den Kompost werfen". Auch für die Nacktschnecken hat Feldner eine reusenartige Falle entwickelt. Kriechen sie hinein, wird die Schleimfähigkeit der Schnecken unterbunden und die Weichtiere kleben am Fleck. Ein praktischer Beweis für das von den Exterminatoren auf ihrer Messe oft beschworene "Neue Denken in der Schädlingsbekämpfung". Der Einsatz der Mittel soll auf das notwendige Mindestmaß beschränkt werden.

Aber bei der Wahl der Arbeitskleidung hat das schiere Gegenteil zu gelten. "Einige der männlichen Kollegen sollten wirklich ein bißchen mehr auf ihr äußeres Erscheinungsbild achten" beklagt die Kammerjägerin Jankowski aus Prötzel, "vor allem beim Kontakt mit dem Kunden". Aber für Rainer Gsell, den gepflegten Essener Terminator, gilt das ganz sicher nicht. Bereitwillig erzählt der Experte von seiner professionellen Leidenschaft. "Im Grunde unseres Herzens gehören wir zur Jägerzunft. Denn das Wichtigste an unserem Beruf ist das Aufspüren des Feindes und die Wahl der richtigen Waffe."

Bei der Jagd der tückischen Pharaoameise liefern die Kammerjäger ihr Meisterstück. Die winzigen gelben Tierchen sollen im Jagdgebiet uns Verrecken keine Krankheiten übertragen: Denn in Krankenhäusern neigt diese Ameisenart dazu, unter Wundverbände zu kriechen, um dort Eiter zu verspeisen. Gsell und die Seinen machen dem Ameisenstaat den Garaus, indem sie "die Tierchen dazu benutzen, sich selbst umzubringen". Es wird ein Fraßgift ausgebracht, daß von den Arbeiterinnen im Kropf zur Königin transportiert wird.

Bis zur tödlichen Dosis reichert sich das Gift dann in der Staatsdienerin an. "Damit ist die Wurzel allen Übels erledigt", freut sich Gsell. Und der Terminator ist zufrieden.

 

 
   


   
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   © 2002 by Thomas Meiser •  thomas@thomas-meiser.de